Fackeln aus!

„Wo ihr auftretet, werden wir euch im Wege stehen!“

Neues Jahr startet mit rassistisch motivierter Messerattacke

Das neue Jahr hat ungut begonnen: Gegen 2 Uhr morgens in der Sylvesternacht haben zwei 24- und 26-jährige deutsche Brüder, ihre Mutter, sowie die Ehefrau des Jüngeren ein Dönerlokal in  der Nordstadt heimgesucht, wo eine private Feier stattfand.
Nach bisheriger Kenntnis wurden rassistische Beleidigungen wie „Scheiß Türken“ gerufen und mit einem Messer und einer Schreckschusspistole gedroht. Die Glastüre des Lokals wurde eingeschlagen und schließlich der Besitzer durch einen tiefen Messerstich am Arm verletzt.
Die Brüder konnten festgenommen werden, sind aber inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen dauern an.

Wie der Ablauf nun tatsächlich konkret war, ist unerheblich – wer nachts derartig bewaffnet durch die Stadt läuft, hat per se kaum etwas Gutes im Sinn; wer dann zielgerichtet ein Dönerlokal aufsucht und rassistische Beleidigungen von sich gibt, ist eine Gefahr für die Allgemeinheit.
Unsere Solidarität gilt dem Verletzten und seiner Familie, die den Angriff miterlebt hat.

Angesichts des Auftriebs, den rechtspopulistische und rechtsextreme Ansichten und Parolen seit einiger Zeit haben – in Deutschland und Europa und eben auch in Pforzheim – ist zu fürchten, dass diese Attacke nicht die erste und letzte in diesem Jahr war.
Es tut dringend Not, sich mit vereinten Kräften dieser Entwicklung und diesen gesellschaftlichen Tendenzen entgegen zu stellen.

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Aufruf zur antifaschistischen Kundgebung und Prozessbeobachtung am 25.11.2014 in Pforzheim

Am Dienstag, den 25. November 2014 steht der langjährig aktive Antifaschist Kai H. vor Gericht – es ist bereits der zweite Verhandlungstag. Dieser ist nötig geworden, weil am ursprünglichen Verhandlungstag der als einziger Zeuge geladene Kriminalhauptkommissar ohne Vorankündigung in Urlaub gefahren war.
Die Anklage, die auf das Betreiben eines Anwaltes des „Freundeskreis ein Herz für Deutschland e.V.“ (FHD) zurückgeht, legt Kai H. zur Last, als Angehöriger der Gruppe alert|a Pforzheim im Rahmen der Proteste gegen die neonazistische Fackelmahnwache des FHD am 23. Februar 2013 zu Straftaten aufgerufen zu haben.

An genanntem 23. Februar instrumentalisierte der FHD mit seiner Fackelmahnwache auf dem Wartberg – wie seit mittlerweile zwanzig Jahren – auf geschichtsrevisionistische und anmaßende Weise den Gedenktag an die Zerstörung Pforzheims im Zweiten Weltkrieg.
Dagegen wandte sich breiter antifaschistischer Protest.

Seit Februar 2014 treten in Pforzheim wieder verstärkt junge Neonazis in Erscheinung. So kam es seither zu mehr als zwanzig uns bekannten Aktivitäten; nicht mitgezählt sind rechte Saalveranstaltungen, Liedermacherabende oder sogenannte Infotreffen:

  • Beginnend im Februar mit Infoständen in der Innenstadt, um für die Fackelmahnwache des FHD zu werben. Zu dieser Zeit wurde auch das alternative Zentrum „Alte Fabrik“ Ziel etlicher Übergriffe. In der Nacht zum 23.02.2014 verübten Neonazis einen Brandanschlag (inzwischen ist der Brandstifter bekannt, jedoch wurden die Ermittlungen eingestellt), es kam zu Sachbeschädigungen (drei Personen betraten das Zentrum, zerstörten das Mobiliar und griffen Gäste an ) und weiteren Provokationen rund um das Zentrum.
  • Über Angriffe auf eine antifaschistische Kundgebungstour im Kreis Esslingen.
  • Bis hin zu der Teilnahme der „Berserker Pforzheim“ unter ihnen befindet sich ein weithin bekannter Akteur der Pforzheimer Naziszene an den „HoGeSa“-Demonstrationen in Köln und Hannover.
  • Des weiteren wurden und werden immer wieder Personen, die nicht in das faschistische Weltbild der rechten Aktivisten passen, Ziele von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, in Form von Angriffen, Provokationen, Einschüchterungsversuchen und Diskriminierungen.

Diese wenigen Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den Aktivitäten, der seit Jahren bekannten und gefährlichen Neonaziszene Pforzheims – doch noch immer wird das Problem heruntergespielt und als „Imageschaden“ der Stadt getadelt.

  • Weil wir keinen Grund erkennen können, aus dem Kai irgendeiner Straftat schuldig sein sollte
  • weil antifaschistisches Engagement angesichts der zunehmenden Nazigewalt in Pforzheim unabdingbar ist und nicht kriminalisiert werden darf
  • weil wir Kai nicht allein der Justiz überlassen wollen
  • und insbesondere auch, weil bereits beim ersten Prozesstag mehrere Neonazis provokant auftraten, rufen wir für den 25. November zur Teilnahme an einer antifaschistischen Kundgebung und Prozessbeobachtung auf.

    Treffpunkt: 9.00 Uhr vor dem Amtsgericht Pforzheim (Lindenstr. 8). Die Verhandlung gegen Kai findet in Raum 312 L statt.

Gedenkfeier für die Opfer von Krieg und Faschismus

Der Pforzheimer Kreisverband vom VVN-BdA lädt für den Totensonntag, 23.11., 11.30 Uhr zu einer Gedenkfeier mit Kranzniederlegung für die Opfer von Krieg und Faschismus am Mahnmal für die Opfer des Faschismus auf dem Hauptfriedhof (unterhalb des Großkreuzes).

Petra Pau berichtet in Pforzheim über den NSU

Wir laden herzlich zu einer Veranstaltung unserer Mitgliedsorganisation Die Linke in den Vortragssaal der VHS (Zerrennerstr. 29) ein – am Freitag, 21.11. um 18.30 Uhr berichtet Petra Pau, MdB, Obfrau der Linksfraktion im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags über „Verfassungsschutz und NSU – zwischen Staatsversagen und Mitschuld“.
Jahrelang konnte der NSU ungehindert seinen Terror in Deutschland verbreiten. Auch Baden-Württemberg wurde nicht verschont – die Polizistin Michèle Kiesewetter verlor ihr Leben inmitten von Zusammenhängen, die immer noch nicht abschließend geklärt sind. War anfangs noch von Unwissen, Ermittlungsfehlern und Pannen die Rede, so wird nach Untersuchungsausschüssen im Bundestag und im Thüringer Landtag immer klarer, dass der Skandal viel tiefer geht, dass die Terroristen durch Sicherheitsorgane gedeckt, ihre Festnahme sogar vereitelt wurde. Was ist hier der neueste Stand, welche Konsequenzen sind aus der Affäre zu ziehen? Darüber und über weitere Fragen spricht Petra Pau, MdB; im Anschluss wird sie sich den Fragen aus dem Publikum stellen.

Organisatorischer Hinweis:
Die Veranstalter behalten sich vor, Personen die rechtsextremistischen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

 

Nächster Film in der Reihe „Traumziel Deutschland“

Am Montag, 10.10. um 18 Uhr läuft im Kommunalen Kino „Staatenlos“, der nächste Film in der Reihe „Traumziel Deutschland“, die sich damit auseinandersetzt wie Asylbewerber in Deutschland leben. Der Regisseur Peyman  Saba wird anwesend sein. Auf dem anschließenden Podium diskutieren: Markus  Schütz (Moderation, Kath. St  Elisabeth-­Gemeinde), Giese  Wege (Sozialarbeiter Unteres Enztal), Dietlinde Hess (Bürgerverein Dillweißenstein) und  Mirzeta  Sabanovic (Ehem. Betroffene,  Politologin).
Hier der Flyer zum Film: Traumziel_Deutschland_Staatenlos

Filmreihe im KoKi „Traumziel Deutschland“

Gemeinsam mit dem Kommunalen Kino, der Diakonie, Forum Asyl e.V. und dem Netzwerk Bleiberecht zeigen wir eine Filmreihe über das Ankommen von Flüchtlingen in der hiesigen Gesellschaft. Anschließend gibt es jeweils eine Podiumsdiskussion.

Die Termine:

Montag, 26.5., 18h: Land in Sicht
Montag, 16.6., 18h: Deine Schönheit ist nichts wert
Montag, 21.7., 18h: Lampedusa auf St. Pauli

Traumziel Deutschland Flyer

Zum Nachlesen: Die Kundgebungs-Rede von Dekanin Christiane Quincke

Rede Quincke final 23.2.2014

Aufruf zum 23.2.2014 – Pforzheim Nazifrei

Am 23. Februar 2014 jährt sich zum 69. mal der Bombenangriff auf Pforzheim, bei dem die Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde und Tausende Menschen starben. Wir fühlen mit den Angehörigen, die diesen Tag in Trauer und stillem Gedenken verbringen.

Wir sagen aber auch deutlich: Diesen 23. Februar 1945 hätte es nie gegeben, wenn nicht zuvor Deutsche halb Europa in Schutt und Asche gelegt und Millionen Menschen ermordet hätten! Dass es in Pforzheim kriegswichtige Industrie gab, war zudem einer der Gründe, weshalb hier Bomben fielen.

Wir betonen das, weil auch am diesjährigen 23. Februar wieder Nazis in Pforzheim aufmarschieren, um wie in jedem Jahr ihre Fackelmahnwache ausschließlich zum Gedenken an die deutschen Opfer der Bombenabwürfe abzuhalten. Das ist eine widerliche Verhöhnung aller Opfer und eine perverse Verdrehung der Geschichte! So lange diese Fackelmahnwache stattfindet, kann der 23. Februar nicht die Würde haben, die ihm zusteht!

Die Nazis von heute sind die geistigen Erben der Nazis von 1933-1945. Sie säen Hass und verüben Gewalt gegen Menschen. Sie sind eine Bedrohung für das Leben vieler und die Freiheit aller. Diese Ideologie, diesen Hass, diese Menschenverachtung und diese Gewalt wollen wir nicht, nicht in Pforzheim, nicht in Deutschland, nicht in Europa, nicht in der Welt!

Erst recht seit der Aufdeckung der Verbrechen des sogenannten NSU Ende 2011 ist der Protest unserer Initiative gegen Rechts Teil eines übergreifenden, vielfältigen und bunten Protests der Zivilgesellschaft an diesem Tag. Wir achten ausdrücklich alle Protestformen, die sich gegen die Fackelmahnwache richten – die Kundgebung der Stadt auf dem Marktplatz, genauso wie Aktionen auf dem Wartberg – solange sie dem Prinzip der Gewaltlosigkeit verpflichtet bleiben.

Wir rufen auf Gesicht zu zeigen! Gegen Hass und Intoleranz, für Frieden und Weltoffenheit.

Gegen rechte Menschenverachtung. Für Menschen.

Wir rufen auf zum Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft und zur Demonstration gegen die Nazi-Fackelmahnwache und für eine offene, vielfältige Gesellschaft. Unsere Demonstration startet um 15.30h am Marktplatz. Um ca. 17h findet die Abschlusskundgebung am Hauptgüterbahnhof statt.
Hauptrednerin: Christiane Quincke, Dekanin evangelische Kirche Pforzheim

Veranstaltungstipp: Film „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“

In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino Pforzheim und unterstützt von der Stadt Pforzheim zeigen wir am Dienstag, 18.2.2014 um 18.30h den Film „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ im Kommunalen Kino am Schlossberg. Anschließend (nach ca. 90 Min Filmdauer) gibt es Gelegenheit zur Diskussion mit dem Regisseur Peter Ohlendorf.
Der Journalist Thomas Kuban hat jahrelang verkleidet mit versteckter Kamera Rechtsrock-Konzerte gefilmt. Der Film über diese Arbeit zeigt erschütternde Bilder aus Lebenswelten, von denen man insgeheim hofft, dass sie in Wirklichkeit nicht existieren. Aber sie tun es – auch mitten in Deutschland.  „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis“ ist eben kein Spielfilm, sondern einer der besten und wichtigsten Dokumentarfilme der letzten Jahre mit hohem Aufklärungspotential.
Wir zeigen den Film nun erstmals in Pforzheim. Zusätzlich zur Abendvorstellung am Dienstag gibt es am Mittwoch, 19.2.2014 um 10h eine Schulvorstellung im Kommunalen Kino. Reservierung für beide Vorführungen: (07231) 566 19 77,  http://www.koki-pf.de.
Mehr Informationen zum Film: http://www.filmfaktum.de

Veranstaltungstipp: Vortrag „Historisches Lernen für ziviles Widerstehen – Ein Zukunftsprojekt für Baden“

Am Mittwoch, 19.2.2014 um 19h stellen Dr. Andrea Hoffend vom „LernOrt Zivilcourage e.V.“ und Gerhard Brändle im Familienzentrum Ost (Zeppelinstr.) das Projekt Kislau vor.
Das KZ im badischen Kislau (Nähe Bruchsal) war das am längsten bestehende KZ auf dem Boden des heutigen Baden-Württemberg. Der Verein setzt sich dafür ein, an diesem historischen Ort Geschichtsunterricht mit Zukunftsperspektive anzubieten. Was kann uns die Erfahrung der Vergangenheit in der Nachbarschaft über Demokratie und Menschenrechte lehren und unser heutiges Denken und morgiges Handeln beeinflussen? Und: Wie könnte solch eine Arbeit in Pforzheim aussehen?
Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.
Weitere Informationen zum Projekt Kislau und dem Verein: http://www.lernort-zivilcourage.de

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